Bereich 11
Komplex Greetsiel - Leysiel
Greetsiel - alte Siele - neue Siele - vom Siel zum Sielhafenort
Erste alte Baum-Klapp-u. Pumpsiele sind in der Krummhörn um 1000 n. Chr. nachgewiesen - es folgten Holz -u. Steintorsiele sowie Schöpfwerke. Das Siel- Schleusen-u. Sperrwerk Leysiel ist vorerst das letzte wassertechnische Bauwerk in der Krummhörn und Umgebung.
Doch der Klimawandel bringt neue Herausforderungen : Neue dezentrale Hightech-Rohrsiele sind mögliche Entwässerungsmodule der Zukunft..
Das alte Greetsiel
Quelle: Originalfoto - KI generierter Videoclip
1) Siele in der alten Leybucht
2 ) Historische Karten aus verschiedenen Zeiten - Greetsiel
3 ) Rekonstruktion der alten Hafenanlage 1400 / 1450
4) Lagekarte 1647/49 der verschiedenen Siele in Greetsiel
5) Vom Siel zum Sielhafenort
6) Interessenkonflikte am Siel in Greetsiel
7 ) Das alte Siel von 1798
8 ) Das zweite ( neue ) Siel von 1890/91
9) Schöpfwerk Greetsiel
10 ) Siel-u. Schleusenwerk Leysiel
11) Siele der Zukunft
12) Aktuelle Video Clips aus Greetsiel - Siel & Hafen 2025
1) Siele in der alten Leybucht
Die Sturmflut vom 26. Dez. 838 leitete die Ausdehnung der alten Leybucht ein. Weitere Sturmfluten verstärkten diese Entwicklung. Bis zu den Geestrandmooren reichte der Meereseinbruch. Die Bevölkerung in den alten Marschgebieten flüchtete auf die Siedlandlinie, die sogenannte hooge Kante, zwischen Osteel - Marienhafe und Engerhafe. Dieses alte Brookmerland erlebte eine Bevölkerungsexplosion, das zeigt auch der spätere Bau der mächtigen Westturm-Kirchen. Selbst bis in die Leegden, bei Rype ( Riepe ) am Ridding, die heutigen Meeden mit ihren Daag und Knickbodenbereichen, siedelten die Flutflüchtlinge aus der Leybuchtgegend. Die Rückgewinnung des Landes wird allerdings durch die Verlandung der Leybucht begünstigt.Verschlickung und anthropogene Entwässerung setzen nun ein ( 1200-1250). Das älteste Entwässerungssiel am Rande der Leybucht lag bei Siegelsum am alten Diekweg, an der alten Maar, nahe Fehnhusen bei Engerhafe.Um 1250, wohl auch mit Mithilfe des Klosters Aaland, wird das Siegelsumer Siel nach Wirdum, bei den Hofstellen Drenthusen und Soltenland, vorverlegt. Noch vor 1437 erfolgte eine weitere Verlegung des Siels nach Eilsum - Angerwehr. Ab 1605 wird das Eilsumer Sieltief bis in die Greede ( Greetsiel ) erweitert und schließt mit einem Siel ab ( heute altes Greetsieler Sieltief ). Dieses Siel war das erste Siel in Ostfriesland mit einem Sielbecken (Muhde), welches binnendeichs angelegt war. Somit auch für die damalige Handelsschifffahrt von Bedeutung. 1665 wird dieses Siel durch eine Sturmflut zerstört. Der mächtige calvinistische "Stadtstaat" Emden blickte kritisch auf Greetsiel - Konkurrenz duldete die Stadt nicht. Ein Neubau kam zunächst nicht zustande, da Emden seinen Einfluss ausübte. Das alte Angerwehr Siel bei Eilsum übernahm weiterhin die Entwässerung von Greetsiel - 1727 wird in Angewehr, 3,0 km von Greetsiel entfernt, das Siel abgedämmt. Durch den Zusammenschluss der Greetmer und Eilsumer Sielacht ( Oster-u. Westervogteitief ) wird aber schon 1674 ein neues Siel in Greetsiel gebaut.
Mit der Einbindung des Hinterlandes, Richtung Eilsum, war hier nun auch die Binnenschifffahrt möglich, da Marienhafe und Norden durch die zunehmende Landgewinnung in der Leybucht ihre Hafenfunktionen deutlich einbüßten.
Die Karte zeigt die alten Sielstandorte in der Leybucht. Die blaue Linie markiert ungefähr die Ausdehnung der Leybucht nach den Sturmfluten 1362, 1374 und 1377
Quelle: Die Acht und ihre 7 Siele, Bd. 1 der erweiterten 2. Auflage, Seite 593 /Sieleintrag ganz links: 5 km westlich von Wirdum lag das alte Eilsumer Angewehr Siel
Das alte Cirksena Siel an der Burg
Vorweg: Schon 1362 korrespondiert der Pilsumer Häuptling Affo Benninga mit Hamburger Kaufleuten und macht auf das Capmasile ( Kaufmannssiel) in de Greede aufmerksam. Das Siel ist zuvor vom Pilsumer Tief nach de Greede ( Greetsiel ) verlegt worden.
Möglicher alter Standort Capmansile - vor der Verlegung nach Greetsiel
Quelle:Geschichte des Emsiger Landes - Kartenband, H.van Lengen, Aurich 1976 , Auszug Karte 11
1460 ist urkundlich erfasst, dass Junker Ulrich ( Cirksena ) ein Siel bei der Burg hat anlegen lassen:
" Im sulven iaer - 1460 - leet ook Junker Ulrich ( Cirksena ) den groten Zyhl in der Grete by der Borch leggen, daer vor hem geene gelegen hadde, up datmen den Zyhl vor dat huys bescheten und vordedigen kunde ".
Vermutlich lag das erste Siel gut 80 mtr. vom jetzigen alten Preußen-Siel entfernt, da wo von jeher eine Klappbrücke das Sieltief überquerte.
Greetsiel 18. Jh.
Quelle: H. van Lengen, Die Geschichte des Emsigerlandes, Textband, Aurich 1973 ( Texte, dunkelrote Schrift, nachträglich eingefügt )
Das alte Siel befindet sich heute im Ortskern von Greetsiel. 1744 verliert Ostfriesland seine Eigenständigkeit und wird Teil Preußens. Das neu gebaute Steingewölbesiel von 1798 steht noch heute. Deutlich zeigte Preußen seinen Machtanspruch durch den preußischen Adler als Sielwappen im Sielbogen verewigt. In diesem Siel sind u. a. auch Steine der gräflichen Burg verbaut.
Zusammengefasst: Mit der Einpolderung und der Verlandung der alten Leybucht ist eine Entwässerungsentwicklung südöstlich von Greetsiel entstanden: Siegelsum - Wirdum - Eilsum/Angerwehr - Greetsiel. 1605 wird das Entwässerungstief von Eilsum bis nach Greet ( Greetsiel ) fertiggestellt und endet in Greetsiel mit einem Siel, da wo sich heute das neue Siel ( Schöpfwerk ) befindet.
Die zweite Entwässerungslinie ( und die zweite Sielbauentwicklung ) vollzieht sich am Pilsumer Tief, wo das Kaufmannssiel nach Greetsiel vorverlegt wird. Letztendlich vereinigen sich alle Sielbauten im Ortskern von Greetsiel.
Alter Sielstandort Eilsum Angerwehr
Bild links = Flurkarteneintrag Angerwehrsiel - Bild Mitte = Google Earth, Standort Angerwehrsiel - Bild rechts = Alter Brückenübergang in der Nähe des Angerwehrsiels bei Middelstewehr, noch heute zu sehen.
2 ) Historische Karten aus verschiedenen Zeiten - Orts-und Siellagen in Greetsiel
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Quelle: Bild 1 ( oben links und dann folgend ) Greetsiel (1748 ) A. Schulte, Die Sielhafenorte, Göttingen 1962, Seite 74 / Bild 2 ( 1704) Landesarchiv Niedersachsen Aurich Rep. 244 A Nr. 1994 / Bild 3- 1890 Wester-und Ostervogteitief ( heute neues und altes Greetsieler Tief , Landesarchiv Niedersachsen Aurich, Rep. 244 Nr. 3785 / Bild 4 (1777) Greetsiel mit Burg, Kirche und beiden Sielen, Landesarchiv Niedersachsen Aurich, Dep. 1 Nr. 4782 / Bild 5 ( 1748 )Eingezeichnet beide Siele. Friedrich Weber, Greetsiel, Seite 51/ Bild 6 ( 1647/49 ) Archiv Groningen NL -Karte von Ubbo Emmius. Markierung d zeigt das Siel ( Sluis ) an/ Bild 7 Karte Greetsiel von 1760 mit Sieleintrag ( D ) Nds.Landesarchiv Aurich, Rep. 244 A Nr. 1060
3 ) Rekonstruktion der alten Hafenanlage in Greetsiel ca. 1450 -1500 um das (neue ) Steinhaus
Der Plan zeigt den Wasserweg Hallingschloot ( alter Priel ) mit Schiffsanlegestelle, nahe des jetzigen restaurierten neuen Steinhauses - jetzt die Str. Zur Hauener Hooge. Dieser ehemaliger natürlicher Wasserweg wurde aber vor langer Zeit zugeschüttet.Deutlich wird aber, auch unter Einbeziehung des alten Pilsumer Tiefs, des neues u. alten Greetsieler Sieltiefs und natürlich des Sielhafens, dass der Hafenbetrieb rund um Greetsiel möglich war.
Quelle: Ostfr. Landschaft, 1996 Archäologische Untersuchungen in Greetsiel.
Diese Bild-Video Rekonstruktion gibt den authentischen Hafenlageplan(siehe Skizze oben) nicht korrekt wieder. Deutlich wird aber, die ehemalige Ausdehnung des Hafens seitwärts nach Westen.
Quelle: KI generierter Videoclip. Das Video zeigt nicht die korrekte alte Ausdehnung des Hafens nach Westen/ Hallingschloot
4) Lagekarte 1647/49 der verschiedenen Siele in Greetsiel
Quelle: Archiv Groningen - Auszug Karte von 1647/49 - Freigabe liegt vor
1) Standort des vorverlegten Capmannsiel ( Kaufmannssiel ) vom Pilsumer Tief in die Greede ( Greetsiel ) - nach van Lengen
2) Standort des Preußensiels ( Steingewölbesiel ) von 1798
3 ) Standort des heutigen neuen Siels von 1888 - 1891 . Direkt neben dem Siel befindet sich das Schöpfwerk vom 1957. Der Standort wird erstmals 1605 mit einem Siel bebaut, welches dann 1665 durch ein Sturmflut zerstört wird.
Quelle: Archiv Groningen NL - Karte vpn 1675 - Diese Karte unterliegt keine Veröffentlichungsbeschränkung ( Bestätigung liegt vor ).
Die Karte zeigt das alte Ostervogteitief (1 ), heute das alte Greetsieler Sieltief. Südlich ist das alte Westervogteitief ( 2 ), heute das neue Greetsieler Sieltief, zu sehen. Vom alten Pilsumer Tief ( 3 ) wurde schon früh das Kaufmannssiel in die Greet vorverlegt. Das Siel von 1605 wird dort errichtet, wo sich heute das Schöpfwerk und das sogenannte neue Siel befinden. Die archivierten Karten bezeichnen den" Zubringer " zum Siel ( siehe Karte oben 3) als Westervogteitief, das somit über ein Siel mit dem Meer verbunden war. Diese Annahme bestätigt auch die Untersuchung von Brettscheider / Nieße von 1982: " Vermutlich baute man den neuen Siel an der Stelle, an der heute das Sielbauwerk von 1888 steht ". Allerdings wird der Sielneubau von 1674 dann nicht an gleicher Stelle errichtet, also am heutigen neuen Siel , sondern gegenüber dem Holzsiel ( Karte 1 Punkt 1 ) , da wo sich noch heute das alte Preußensiel befindet . Dieses Siel wird dann 1798 neu aufgesetzt. ( Unterschiedliche Quellenangaben: Die Quellen über die Lagebilder der Greetsieler Siele sind ambivalent. Ohling ( Acht und ihre 7 Siele) und Freese ( Ostfriesland 1796 ) verweisen auf unterschiedliche Daten und Sielbautypen. Freese beschreibt 1796 ein Holzsiel, Ohling dagegen auf ein Steinsiel.
Überhaupt ist die Bezeichnung Vogtei ( = Teil eines Amtes ) damals allgegenwärtig. Um Greetsiel herum gab es die Oster-Wester u. Hauptvogtei - letzteres war die Bezeichnung für den Ortskern Greetsiel.
5) Vom Siel zum Sielhafenort
Quelle: Der Deichwart, Nr. 4 - 10.04.1968 Beilage der Rheiderland Zeitung
Der Strukturwandel zum Sielhafenort mit Handelsfunktion vollzieht sich verstärkt in der 2. Hälfte des 17. Jh. Der älteste Sielhafenort an der Küste, Greetsiel, hat zwar seit 1406 die Bezeichnung Siel ( Zyhl ) im Namen, gehört aber erst gut 250 Jahre später zum Typus der Sielhafenorte - zuvor war der Ort mehrheitlich herrschaftliche Residenz von Mitgliedern der Cirksena Familie mit Burg, Kirche und einem Siel. Natürlich hatte Greetsiel immer schon als Schiffsanlegpunkt mit Hafenfunktion eine Bedeutung im Nordseeraum der damaligen Zeit.
Das Ebbetor, im alten Siel von Greetsiel im Ortskern noch zu sehen, ermöglichte einen schiffbaren Wasserstand für die Binnenschifffahrt.
Sielhafenorte sind nicht agrarisch geprägt, sondern der Handel steht im Mittelpunkt des Geschehens. Das eigentliche alte Siel mit Binnen-u. Außentief hat sich zum Hafenbecken entwickelt. Gewerbe und Kleinbetriebe haben sich angesiedelt, so auch in Greetsiel.
1798 leben ca. 600 Menschen in Greetsiel. Handel und Gewerbe sind im Sielort gut aufgestellt, für die damalige Zeit ein prosperierender Ort: 5 Bäcker, 2 Branntweinmacher, 1 Böttcher, 1 Glaser, 1 Weber, 1 Radmacher, 1 Schlachter, 3 Schmiede, 14 Schneider und Gesellen , 10 Zimmerleute, 4 Schuster, 1 Ziegler und 14 Schiffer leben im Ort. Dazu kommen 40 Tagelöhner die ihre Dienste im Hafen und im gewerbetreibenden Ort täglich anbieten.
Greetsiel : Reger Schiffsverkehr / Frachtverkehr vor dem Ebbetor im Binnenhafen.
KI generierter Clip
Schiffe im Greetsieler Außenhafen
Bildquelle: Fotosammlung des Autors
Bilder: Greetsiel als Handelshafen und späteren Fischereihafen
6) Interessenkonflikte am Siel in Greetsiel
Noch 1872 sind in Greetsiel 7 Seeschiffe mit 365 Registertonnen gemeldet. Die Binnenschifferei der Loogschiffer wird bis ins 20 Jh. beibehalten.
Allerdings kommt es oft zu Interessenkonflikten zwischen Binnenschiffern und Bauern - die Landwirtschaft benötigt einigermaßen entwässerte Nutzungsflächen und die Binnenschifffahrt ausreichendes Fahrwasser. In diesem Spannungsfeld ökonomischer Interessen agieren die Sielrichter.
1725 erhebt man den Vorwurf gegen Sielrichter Habbe Richts, der den großen Siel in Greetsiel hat öffnen und schließen lassen, " bloß und allein der Schifffahrt dadurch beförderlich zu sein " ( Niedersächsisches Landesarchiv Aurich 4 B II p 128). Das Arbeitsverhältnis eskaliert dann final am 1. Juli 1727, als die beiden Sielrichter Habbe Richts und Jan Wiltfang aus dem Amt entfernt werden : "Die wegen Ihrer Renitenz von ihrem Amt entfernten Deichrichter ( Anm. Deich-u. Sielrichter )des Amtes Greetsiel Habbe Richts und Jan Wiltfang" ( Niedersächsisches Landesarchiv, Aurich Rep. 4 B 2 p Nr. 145 ) . Ersatz steht sofort bereit " andere bestellte Harm Freese und Joachim Mu(ü)hlenbeck " ( Landesarchiv Niedersachsen, Aurich Rep. 4 B 2 p Nr. 145). Auch Sielrichter Poppe Willms hat 1783 seine Probleme: "hat das Siel trocken laufen lassen, so dass keine Torfschiffe anlegen können " ( Niedersächsisches Landesarchiv - Aurich Rep.4 B 2 p Nr.132 ).
Die Kutterfischerei ( Krabbenfang ) hat sich erst im 20. Jh. entwickelt.
7) Das alte Siel von 1798
Basisdaten: Altes Siel
Erbaut 1798
Lichte Weite: 4,85 mtr.
Lichte Höhe: 5,75 mtr.
Drempelhöhe: bei - 2,20 NHN
Klinkermauerwerk auf Pfähle gegründet
Ausbau der Sturmfluttore 1995 ( am Binnensiel ) - die Mauernischen sind noch vorhanden
Fluttore - Sturmfluttore und Ebbetore:
Grundriss, unten, zeigt die 3 Torpaare
Alter Sieleintrag
Quelle: Ostfriesland u. Harlingerland, Johann C. Freese, Aurich 1796, Seite 340
( Quelle: Agsta, Brettschneider, Nieße, 1982, Seite 163)
Siele mit Ebbetore ermöglichen einen Hafenbetrieb im Binnensiel. Der Sielrichter kann durch den Verschluss der Ebbetore der Binnenschifffahrt " Wasser unter dem Kiel" ermöglichen.
1827 Einbau neuer Ebbetüren im Siel von Greetsiel. Im Wasser und Schlick stehend sind Holzsieltore einen hohen Verschleiß ausgesetzt. Immer wieder mussten Sieltore repariert oder neu ausgewechselt werden.
Quelle: Landesarchiv Niedersachsen, Aurich: Rep. 42 Nr. 191
Alte beschädigte Sieltore in Greetsiel - vorne das Ebbetor, direkt dahinter das Sturmfluttor ( um 1960 )
Quelle:Niedersächsisches Landesarchiv Aurich - Rep 144 Nr. 806
Interessanter Blick in die Bücher: Befestigungsarbeiten am alten Siel in Greetsiel - Abschluss Sep. 1935 ( Kostenplan ) Vergrößerung Einzelblatt - Anklickoption: Symbol oben rechts anklicken
Quelle:Landesarchiv Niedersachsen Aurich Rep.144 Nr. n806
Ebbetore öffnen sich und das Binnensiel ( Binnenhafen ) wird geflutet, so dass Schifffahrt ermöglicht wird. KI generiertes Video
Altes Siel in Greetsiel 2024
Altes Greetsiel um 1940
( Bildentnahme: Th. Janssen - Die Leybucht, nn, Seite 33 )
Am alten Siel in Greetsiel
( Bildentnahme : Bild 1 > Ostfriesland - Zeitschrift, 1974, Heft 1 , Seite 28 ) Bild 2 und 3 Greetsiel Hafen, Ostfriesland Kalender, Datum nn folgt
Bis 1991/92 war der Greetsieler Hafen mit einer hohe Kaimauer gegen Hochwasser und Sturmfluten gesichert. Nach der Fertigstellung des Leysiels 1991 wurde die Mauer abgetragen.
Quelle: Landesarchiv Niedersachsen Aurich, Rep. 144 Nr.806
8 ) Das zweite ( neue ) Siel von 1890/91
Parallel zum großen Sielbau an der Knock wird 1891 das zweite Siel in Greetsiel fertiggestellt - erste Planungen sind bereits 1877 erfolgt. Die Kosten für das Siel betrugen 246 815 Reichsmark. Die dt. Provinz Ostpreußen lieferte das Bauholz.
Durch den Bau des Ems - Jade Kanals ( 1880 - 1888 ), der damals neugeschaffene Wasserweg hatte auch für die Entwässerung ein enorme Bedeutung, verstärke sich der Entwässerungsdruck auf das Emder Torsielsystem ( ehemals die Acht und ihre 7 Siele ). Das Verbandssiel an der Knock, von 1881, entlastete die Torsiele. In diesem entwässerungsrelevanten Zusammenhang ist auch der Bau des Siels in Greetsiel zu betrachten.
Im Kontex veränderter Entwässerungsanforderungen, besonders bei der Abnahme des Binnenwasserstandes und einem Anstieg des Außenwasserstandes, ging die Bedeutung des Siels zurück. Durch den Bau das Schöpfwerkes in Borsum ( kl. Schöpfwerk von 1914, dann Bau des großen Borsumer Schöpfwerkes 1929 ) verlor das Siel in Greetsiel zunehmend an Bedeutung im Gesamtentwässerungskonzept der damaligen Zeit.
In der Karte von 1748 ist an diesem Ort bereits ein Siel eingezeichnet.
Basisdaten " Neues Siel ":
Erbaut 1888 - 1891
Massives Steingewölbesiel
Sturm-Sturmflut-u. Ebbetore
Lichte Weite: 5,50 mtr.
Drempelhöhe: -3,15 mtr. NHN
Gründung auf 670 Pfählen
Lage: Nordöstlich der Ortsmitte
Besonderheiten: Ursprl. Ebbe - Holzstemmtore aus Eichenholz, heute aus Stahl.
Stilllegung: 1958
( Quelle: Agsta, Brettschneider, Nieße, 1982, Seite 170 )
"Neues " zweites Siel in Greetsiel - Schiffe vor dem Siel und dem Schöpfwerk. Neben dem Schöpfwerk ( von 1957 ) ist das Siel von 1891 zu sehen. Bereits um 1600, gleichzeitig mit der Eindeichnung des Schoonorther Landes, wird das Eilsumer Sieltief nach Greetsiel weiterverlegt und schließt mit einem Siel ab (1605), da wo sich heute das Schöpfwerk und das neue Siel befinden. Das Siel diente wohl auch als Schiffspassage und bot somit den Frachschiffen der damaligen Zeit den Zugang zum Meer. Auch das Sielbecken vor dem Siel war breit ausgelegt, allerdings hat sich dieser Greetsieler Hafenbereich nicht richtig zum zweiten befestigten Hafen entwickelt.
KI generierter Video Clip ( Ursprungsabb. ( Bildentnahme: Th. Janssen - Die Leybucht, nn, Seite 41 )
Quelle: Der Deichwart, Nr. 5, Mai 1980 Beilage der Rheiderland Zeitung
Zweites Siel von 1890/91 und das Schöpfwerk von 1958 - erbaut 1955 - 1957. Die Auslaufseite des Siels ( Bild Mitte ) ist zugemauert. Eine Öffnung mit einem Schieber ermöglicht noch einen Sielzug ).
Siel in Greetsiel von 1891 Schnittbild
Quelle: Zeichnung unten: Landesarchiv Niedersachsen - Aurich Rep. 244 C 3476
Greetsiel mit beiden alten Sielläufen
Quelle: Digitale Bibliothek-Landesarchiv NRW Abt. Rheinland RW 0230 20 545 Hansa Luftbild. Bildrechtbedingung für dieses Bild: Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International
9) Schöpfwerk Greetsiel
1958 erfolgte die Fertigstellung des Schöpfwerkes in Greetsiel und somit übernahm ein Pumpsystem ( Förderleistung von 3 x 200 KW von je 4500 Litern pro Sekunde pro Pumpe) die Entwässerung. Die alten Torsiele konnten die Entwässerung in der Krummhörn nicht mehr sicherstellen und zeitgemäße damalige Entwässerungstechnik kam zum Einsatz.
( Quelle: Die Leybucht, Th. Janssen, Seite 41 )
Einblick in die administrative Projektplanung des Schöpfwerkes Greetsiel 1955/56/57
Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv Niedersachsen, Aurich Rep. 138 Nr. 275 / Teilakten
Plan : Schreibpegel Greetsiel
Quelle:Landesarchiv Niedersachsen, Aurich- Rep. 138 Nr. 275
Das Schöpfwerk am Siel von heute 2025 und 1958
(Quelle: Gewässerkunde Ostfriesland, Theodor Janssen, Aurich 1967, Seite IV Bildanhang 3)
Pumpenlauf im Schöpfwerk Greetsiel - März 2025
Bilder von 1 -5 - links beginnend: Rechenanlage am Einlauf / Entlüftungsrohre für die Entlüftung der Pumprohre / Schieber zum Schließen der Pumprohre / Motorenblock je Pumpe 4500 ltr. pro Sekunde mgl. / Blick ins Pumpenhaus.
Daten / Geschichte im Überblick: ( Schöpfwerk Greetsiel )
Anlass :Verschlickung der Leybucht im Gebiet des Hafens von Greetsiel, somit waren keine Sielzüge (Entwässerung) mehr möglich.
Urspl. 1 Entwurf vom 31.03.1926, der sogenannte Giencke Entwurf. Reduzierung der Sielleistung ( Torsiele ) wegen Bau des Schöpfwerkes in Borssum und somit Absenkung der Binnenwasserstände.
Okt. 1947: Anfrage bezgl. Pumpmotorenbeschaffung beim MAN Werk in Gustavburg ( Hessen ) und Anzahlung von 49 630 Reichsmark.
23. Nov. 1948 Zurückstellung des Bauplanes ( wg. Währungsreform )
Erster realer Planungsentwurf vom 30.04.1949 - Untersuchungen in Greetsiel - Standortfrage.
1955 : Rammung der Pfahlroste binnendeichs für das Pumpen-u. Trafohaus ( System Franki ).
In den Pfahlrosten wurde kalkarmer, in Greetsiel hergestellter, Zement eingegossen.
Stehend auf 57 Stahlbetonpfählen.
1955 - 1957 Bau des Schöpfwerkes - durch Beschluss des Verbandes vom 29.09.1955.
Sogenannte aufgelöste Bauweise: Pumpen-und Trafohaus. Die Abpumprohre laufen durch den Deich. Auslauf auf der anderen Seite des Deiches.
( Außenhafenbereich).
25 mtr. Druckrohrleitungen durch den Deich verbinden Pumpenhaus mit dem Auslaufwerk - 22 mtr. Erstellt in Bergbauweise = Pressung durch den Deich.
09.09.1957 Start der Probeläufe von allen drei Pumpen.
2000 m² Stahlspundwände für den Anschlus an das Torsiel ( Neue Siel ). 2000m³ Stahlbeton verbaut.
Damalige Entwässerungsfläche: 15 000 ha. - 11 000h ha. kleiner Einzugsbereich ( Vorflutgewässer )
Kosten: 2 Mill. DM - 90 % Förderung aus dem Küstenplan.
3 Vertikalpumpen - pro Pumpe 4500 ltr. pro Sekunde = 13500 ltr. pro Sekunde Gesamtpumpleistung.
Schrauben / Propeller System ( keine archimedische Schraube ).
Motorleistung pro Pumpe: 200 kw = 600 kw Gesamtleistung. MAN Motoren aus Gustavburg.
Quelle:Landesarchiv Niedersachsen - Aurich: Rep. 138 Nr. 275 ( Das Blatt ist gekürzt abgebildet )
Antriebsmotor: HDM Hochspannungs- Drehstrommotor
Motor: 980 Umdrehungen pro Min. ( 1 Motor ) Schaltgetriebe: 1 Gang 148 Schraubenumdrehungen / 2 Gang 196 / Min.
Pumpenverschlüsse: Keilfachschieber ( Schieber ) und hydral. Rückschlagklappen am Auslaufwerk.
Mit Außen-Rechenanlage ( 1955 erstmalig in Ostfriesland eingebaut ).
Alte Sieltore am Deich
Seit 2020 sind die Sieltore kulturgeschichtlich in der maritimen Dorfbegehung eingebunden.
10 ) Siel-u. Schleusenwerk Leysiel
Geplant war die komplette Eindeichung der alten Leybucht mit einem Siel-und Schleusendurchlass. Unterschiedliche Namen, wie Neu Bant oder Neu Greetsiel, waren im Umlauf. Die alte Rest-Leybucht wurde jedoch nicht komplett eingedeicht.
Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv Aurich. Rep. 144 Nr.806
Realisiert wird letztendlich das Leysiel.
Fertigstellung 1991.
Kombiniertes Siel- u. Schleusenwerk - Sperrwerk
Somit ist der Fischereihafen Greetsiel tiedeunabhängig erreichbar
Vorerst letzte große Sielbaumaßnahme an der Leybucht - Greetsiel
Bauplan:
( Quelle: Die Leybucht, Th. Janssen, Seite 134 )
Leysiel - Greetsiel 1991 ( Ostfriesenzeitung vom 9. Sept. 1991 )
Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv Aurich Dep. 1 N Nr. 1800 ( Zeitungsausschnittmappe / 1991 )
Basisdaten:
Schleuse:
Hafenlänge: 170 mtr.
Hafenbreite: 100 mtr.
Notanleger: 60 mtr. ( Kai )
Gesamtbauwerkslänge: 120 mtr.
Lichte Durchfahrtsweite: 14 mtr.
Nutzbare Schleusenkammerlänge: Oberhaupt > 25 mtr. = 2 Kutter - Unterhaupt > 45 mtr. = 4 Kutter
Größte Kammerlänge: 80 mtr. = 8 Kutter
Drempeltiefe: - 4,50 mtr NHN ( NormalHöhenNull )
5 Stemmtorverschlüsse
Siel:
3 Sielöffnungen mit je 10 mtr. lichte Weite
2 Hubtorverschlüsse
Drempeltiefe: -4,50 mtr. NHN
Siehe auch unter der Rubrik: Informationsmaterial / Flyer
Leysiel 1991 - Vor der Flutung
Leybuchtsiel - heute
Am Leysiel
11) Siele der Zukunft
Vorausschau - Zusammenfassung: Neue Sielsyteme der Zukunft
Greetsiel hat jahrhundertelang alle Entwicklungen im Sielwesen durchlaufen.
Erste Baumsiele, Klapp-u. Pumpsiele sind in der Krummhörn nachgewiesen- es folgten Holztor-u. Steingewölbesiele und anschließend Schöpfwerke.
Das Siel-u. Schleusenwerk - Sperrwerk Leysiel ist vorerst das letzte Großbauwerk im Bereich Entwässerung und Hochwasserschutz.
Ein neues und dem Klimawandel angepasstes Sielsystem ist erforderlich.
Die Klever-Risk Studie ( Klimaanpassung und Extremwettervorsorge - Verbandsübergreifendes Management von Binnenhochwasserrisiken im westl. Ostfriesland ) von 2023 entwickelt ganz neue Modelle für die zukünftige Entwässerung:
Hightech - Rohrsielmodule, das Urprinzip ähnelt den alten Baumsielen, werden durch den Deich gelegt und führen die Entwässerung zurück von der Zentralität der Mündungsschöpfwerke zur dezentralen Entwässerungsmethode. Auch für das Speicherbecken Leysiel-Leyhörn ist das Rohrsiel eine Option, so die Studie.
Quelle - Klever Risk : https://uol.de/fileadmin/user_upload/proj/klever/KLEVER-Risk/KLEVER-Risk-Ergebnisbroschuere.pdf?v=1682611847
Altes Prinzip und neue Technik : Altes Baum- u. Klappsiel durch den Deich gelegt - um 1000 n. Chr. - Neues Rohrsiel der Zukunft.






























































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